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Was geschieht eigentlich, wenn einem mitten auf der Autobahn das Benzin ausgeht? Meine Frau, am Steuer auf der Überholspur, zuckt mit den Schultern. Sie glaube, der Motor blockiere in solchen Fällen, darum gebe es wahrscheinlich auch so eine hohe Busse dafür, weil es wirklich gefährlich sei mit all den Autos, die einen mit 120 km/h verfolgen.
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@ schwe
Ich starre auf das rot leuchtende Lämpchen Millimeter neben dem Benzin-Symbol auf dem Armaturenbrett. Das sei nicht das erste Mal, dass dieses Lämpchen leuchte, sagt meine Frau und hofft vielleicht, dass mich diese Information beruhigt. In Gedanken zähle ich alle mir bekannten Autobahn-Tankstellen zwischen Lenzburg und Zofingen auf. Viele sind es ja nicht. Oder ist Kölliken gar die einzige? Ich teile meine Befürchtung laut mit. Jaja, Kölliken, murmelt meine Frau und fügt laut hinzu: Ich warte aber lieber bis zur Esso-Tankstelle in Oftringen, da gibt’s diese Thomas-Rosenthal-Messer für 9.90, sofern man mindestens 80 Franken bei der Esso liegengelassen hat.
Kalter Schweiss tritt auf meine Stirn. Oftringen! Das scheint mir verflucht unmöglich weit angesichts des roten Lämpchens. Wir riskieren unser Leben für ein Messer, Herrgott, das muss ein ganz verrecktes Messer sein, rufe ich verzweifelt. Meine Frau deutet mit dem Kopf wortlos in die Gegend des Steuerknüppels, da liegt der Prospekt. Und im Prospekt ist es drin: das Santoku-Gemüsemesser – ein wunderschönes, fast beilartiges Messer, mit dem ich tagelang Zwiebeln hacken möchte. Nun sehe ich ein, dass wir es dringend zur Esso-Tankstelle schaffen müssen.
Leider, und das findet jetzt auch meine Frau, ist es zu diesem Zweck nötig, die Autobahn (ich glaube, es war die Ausfahrt Hunzenschwil) kurzfristig zu verlassen und bei einem selbsternannten «Benzin-Discounter» 3 Liter reinzulassen um sicher zu sein, dass es bis Oftringen reicht. Eine Viertelstunde später tanken wir an der Oftringer Esso-Tankstelle voll, aber ich muss noch zwei Schachteln Zigaretten dazukaufen, um den Betrag von 80 Franken zu erreichen. Das Santoku-Messer sieht in Natura noch schöner aus als im Prospekt, und weil die Aktion in zwei Tagen abläuft und ausser uns scheinbar keiner scharf auf Messer ist, verkauft uns die nette Frau hinter der Kasse gleich noch ein Brotmesser zum selben Aktionspreis.
Soweit, so gut. Aber das Benzinlämpchen beschäftigt mich weiterhin. Wie weit wären wir gekommen? Fünf Liter, sagt mir jemand, der es wissen muss, wären noch im Tank gewesen, als das Lämpchen zu leuchten begonnen hat. Damit wären wir locker bis nach Oftringen gekommen ohne Gefahr zu laufen, abrupt auf der A1 stehen zu bleiben und eine Massenkarambolage zu verursachen. Vorausgesetzt, die Benzinanzeige bei einem 12-jährigen Mazda ist tatsächlich zuverlässig. Das würde bedeuten, dass diese Geschichte halb so dramatisch und somit gar nicht wirklich erzählenswert wäre. No Risk, no Fun, verstehen Sie?
Darum hier noch eine Ergänzung zu den erworbenen Messern: Das Santoku-Messer schneidet nicht nur Zwiebeln, sondern auch Fingernägel und -kuppen in hauchdünne Tranchen und das Brotmesser sägt kantige, breite, aber saubere Schnitte, die schön heilen, in menschliches Fingerfleisch.
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